KE-Pressemeldung zu Doppelkarriere

Doppelkarriere – Wenn beide Karriere wollen – und auch Kinder 

 

Hamburg/ Juli 2011. Flexibel und mobil soll der Arbeitnehmer von heute sein und am besten ständig verfügbar. Doppelkarriere-Paare und stehen deshalb oft vor besonderen Herausforderungen. Konflikte sind vorprogrammiert, etwa wenn ein Partner einen Ortswechsel anstrebt und der andere wegen einer besonderen beruflichen Spezialisierung ortsgebunden ist.  Dr. Elisabeth Bröschen ist Mitglied bei den Karriereexperten www.karriereexperten.com, dem neuen Netzwerk für Karriereberater und Coachs.

 

 

Dr.  Elisabeth Bröschen ist seit fast zwanzig Jahren als Einzel-und Paarberaterin, Paarcoach, Familientherapeutin, Supervisorin und Projekt-und Prozessberaterin tätig. Einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit ist die Begleitung und Unterstützung berufstätiger Paare vor und in der Familienphase.

 

Mit welchen Schwierigkeiten haben Paare zu kämpfen, die sich bei Ihnen beraten lassen?

 

Ein Beispiel: ein junges Paar um die 30 Jahre kommt mit seiner Fernbeziehung nicht mehr klar: er ist Trainee in München, sie in einem anspruchsvollen Job in Hamburg. Das gemeinsame Abendessen findet via Skype vor der Webcam statt: Er soll demnächst eine mehrmonatige berufliche Ausbildungsstation in Asien absolvieren, sie denkt langsam an Kinder, eine gemeinsame Lebensbasis ist nicht in Sicht.

Zweites Beispiel:  Ein Paar Mitte 40 mit einem achtjährigen Sohn, beide sind mit einem eigenem Unternehmen selbständig, beide arbeiten sehr viel. Verhaltensauffälligkeiten des Sohnes wie auch eine Beziehungskrise, in der sie meine Hilfe suchen, lässt beide verstehen, dass sie nach einer neuen Balance zwischen Familie und Beruf suchen müssen, wenn sie wieder zueinander finden wollen.

Ein drittes Beispiel:  Ein Paar Ende 30, er ist freiberuflich in der Werbebranche tätig. Sie möchte nach der Elternzeit mit dem zweiten Kind zurück in ihren alten Job in die Marketingabteilung  eines großen Unternehmens. Für beide bieten sich neue berufliche Chancen, für jeden in einer anderen Stadt. Beide wollen eigentlich in Hamburg bleiben, auch weil sie hier auf ein gutes Betreuungsnetz für die beiden Kinder zurückgreifen können.

In diesen und vielen anderen Fällen sind Konflikte zwischen Beruf und Privatleben Ausgangspunkt des Coachings.

 

 Inwiefern kann ein Paarcoaching helfen, dass Karriere-orientierte Paare eine Beziehungsbalance finden?

 

 Paarcoaching hilft dabei, sich der unterschiedlichen Faktoren, die die individuelle Paarsituation bestimmen, und ihrer Bedeutung bewusster zu werden. Paarcoaching kann deshalb dazu führen, Veränderungen in der äußeren Situation zu initiieren, z.B. eine Bewerbung oder die Einstellung einer Haushaltshilfe. Es kann aber auch vorrangig darum gehen, die Zeit der familiären und beruflichen Situation angemessener zu strukturieren.

 Schließlich kann das Paar bei einem Coaching auch unterstützt werden, konstruktiver zu kommunizieren oder Konflikte fairer auszutragen. Manchmal entdecken die Partner, dass  unbewusste Identifikationen  mit Rollenmustern aus der Herkunftsfamilie berufliche wie auch familiäre Entscheidungen und Schritte blockieren.  Als Coach begleite, strukturiere und unterstütze ich einen  Austausch-  und Entscheidungsprozess unter den Partnern, der faire und nachhaltige Lösungen für alle Beteiligten ermöglicht.

 

 Inwiefern hängt der Umgang von Paaren mit Karriere und Familie mit gesellschaftlichen Rollen zusammen?

 

 Die eigenen wie auch die gesellschaftlichen Erwartungen an unsere männliche oder weibliche Rolle in Familie und Beruf haben sich in den letzten 30 Jahren tiefgreifend gewandelt. Jedes Paar muss sich, besonders, wenn Kinder ins Spiel kommen, damit auseinandersetzen, welche Visionen sie für ihre familiäre Situation und ihre berufliche Entwicklung haben. 

 Zugleich verhandeln Paare diese Themen  aber auch auf einem individuell-biografischen Hintergrund:  da spielt z.B. eine enorme Rolle, wie die Eltern mit diesen Themen umgegangen sind, wie Konflikte gelöst wurden und welches Rollenvorbild  ich verinnerlicht habe.

 

 Sind die Ehen von Karrierepaaren trennungsgefährdeter als Ehen von traditionellem Zuschnitt, wo also die Frau ihr berufliches Fortkommen zurückstellt zugunsten von Kindern?

 

 Die Herausforderungen von berufstätigen Paaren sind  einfach anders und es kommt  darauf an, welche individuellen, betrieblichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wie z.B. auch ein „Paarcoaching“.  Das Leben als Paar hat mit seinen unterschiedlichen Phasen des Sich-Bindens, der Familiengründung und dann des Flüggewerdens der Kinder und des Alterns zu allen Zeiten Paare zu Entwicklung herausgefordert. Entscheidend ist: für die heutigen Herausforderungen gibt es wenig Rollenvorbilder. Die Lebenskonzepte sind heute sehr individuell. Das ist gleichzeitig eine Riesen-Chance und eine Riesen-Herausforderung. Paarcoaching ist ein sinnvolles Angebot für Paare, die diese Chance klug nutzen wollen.

 

 Welche Möglichkeiten gibt es für Paare  mit Doppelkarriere, ihren Kindern ein fürsorgliches Zuhause zu bieten?

 

Kinder brauchen ein Zuhause, das zugleich Selbständigkeit und Entwicklung fördert. Das sollten Partner, die beide Karriere machen oder machen wollen, im Blick haben. Kinder brauchen Sicherheit und Bindung und nachhaltiges Interesse an ihrer persönlichen Entwicklung, die sich auch über verlässliche Anwesenheit vermittelt.

 Das gilt nicht nur für kleine, sondern auch noch für pubertierende Kinder, die sich schließlich nur an jemanden reiben können, der da ist. Das braucht sorgfältige Absprachen, die Einbeziehung verlässlicher Dritter, ein gutes Unterstützungsnetzwerk. Das braucht auch  unter den Partnern die Fähigkeit, mit klarem Blick einzuschätzen, für wen gerade was am wichtigsten ist und wem im Moment ein Kompromiss am ehesten zuzumuten ist. Ich muss bestimmt nicht bei jedem Flötenvorspiel meines Kindes dabei sein, aber ich muss mitbekommen, wann es besonders wichtig ist und es dann auch tun. Mal kann ich vielleicht mein Kind per Handy ins Bett dirigieren, aber nicht dreimal pro Woche.

 

 Was raten Sie berufstätigen Paaren in anspruchsvollen Berufen, um mit der Doppelbelastung durch Job und Familie klarzukommen?

 

 Um die Herausforderung Doppelkarriere zu bewältigen braucht es immer wieder auch die Fähigkeit zu dem, was ich „heiteren Verzicht“ nenne. In Zeiten, in denen wir gewöhnt sind, alles, möglichst schnell und möglichst sofort zu bekommen, ist Verzicht  nicht gerade populär. Wichtig ist, dass Verzicht, wo er nötig ist, nicht einseitig nur von einem Partner erbracht wird und dass ein Paar gute Deals miteinander findet. Doppelkarrieren müssen – und dafür gibt es gute Beispiele – auch nicht immer genau beiden Partnern gleichzeitig denselben Einsatz abfordern. Das kann auch oft phasenweise abwechselnd geschehen. Diese Perspektive schafft Spielraum, Kinder gut im Blick zu behalten.

 

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